Ratgeber Tumorkachexie

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Entstehung und Ursachen der Tumorkachexie

In Hungerperioden wird bei einem gesunden Menschen zunächst auf die Fettreserven des Körpers zurückgegriffen. Erst, wenn diese fast erschöpft sind, beginnt der Körper damit, Muskelgewebe abzubauen. Bei einer Kachexie wird von Beginn an sowohl Fett- als auch Muskelmasse reduziert. Die dabei freigewordenen Fettsäuren werden in der Leber gespeichert. Dieser Prozess führt nach und nach zu einer sog. Fettleber. Außerdem kommt es zu entzündlichen Reaktionen im gesamten Körpergewebe.

Welche Ursachen diese Prozesse auslösen, ist bis jetzt nicht vollständig bekannt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dafür u. a. Substanzen verantwortlich sind, die der Tumor selbst aussendet. Dabei handelt es sich u. a. um den Lipid-mobilisierenden Faktor (LMF) und den Proteolyse-induzierenden Faktor (PIF). Diese leiten die Abbauprozesse (Lipolyse bzw. Muskelproteolyse) ein. Ferner werden Botenstoffe freigesetzt, die eine Entzündungsreaktion im gesamten Körper bewirken. Um herauszufinden, wie dieser Mechanismus genau funktioniert, betrachteten Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg das Ende der Signalkette und untersuchten im Tierversuch Leberzellen von krebskranken Mäusen.

Die Leberzellen zeigten eine hohe Aktivität eines bestimmten Moleküls namens RIP 140. Dem Expertenteam gelang es, dieses Molekül bei den Mäusen zu inaktivieren. Innerhalb kürzester Zeit normalisierte sich daraufhin der Fetthaushalt der Leber wieder. Auch auf die entzündlichen Reaktionen hat dieses Molekül scheinbar Auswirkungen. Beim Kachexie-Syndrom wandern Makrophagen ins Fett- und Lebergewebe und schütten dort entzündungsfördernde Botenstoffe aus, u. a. Interleukin-1 und Interleukin-6 sowie den Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-alpha). Die Forschungen britischer Wissenschaftler ergaben, dass bei Mäusen, denen das RIP-140-Molekül gänzlich fehlt, auch weniger dieser Botenstoffe produziert werden.

Die gewonnenen Erkenntnisse bringen die Mediziner einen Schritt weiter auf dem Weg zu einem umfassenden Verständnis der Abläufe im Körper von Tumorpatienten mit Kachexie und damit u. U. auch ein Stück näher an eine ursächliche Therapie.

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